Deutscher Buchpreis 2021 - Shortlist
Gstrein, Norbert

Der zweite Jakob

Roman

akob ist bekannt als Schauspieler, ein Verlag plant eine Biografie über ihn. Da fragt ihn seine Tochter: Was ist das Schlimmste, das du je getan hast? Jakob erinnert sich an einen Filmdreh an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Die Morde an Frauen und das Elend dort bekam er bloß distanziert mit – aber zwei Mal war er plötzlich mittendrin in einem unheimlichen Geschehen. Jakob schämt sich und sehnt sich in gleißenden Erinnerungen nach dem Glück. Warum ist er kein Original, sondern stets nur "der zweite Jakob"?

Kommentar der Jury

Erzählen ist bei Norbert Gstrein immer auch Nachdenken über das Erzählen, seine notorischen Unzuverlässigkeiten, seine unvermeidlichen Leerstellen. In seinem neuen Roman ist ein Schauspieler anlässlich seines 60. Geburtstags gezwungen, sich selbst und seiner Tochter Rechenschaft abzulegen und das Stationendrama seiner Biografie in eine finale Fassung zu bringen. Auf meisterhafte Weise demonstriert der Roman, wie sich die Komplexität eines Lebens, das geprägt ist von Scheitern, Scham und Schuld, einem simplen Plot verweigert. Mit "Der zweite Jakob" hat Norbert Gstrein seine virtuose Erzählkunst noch einmal auf eine höhere Stufe gehoben.

€  25,00

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Helfer, Monika

Vati

Roman

Ein Mann mit Beinprothese, ein Abwesender, ein Witwer, ein Pensionär, ein Literaturliebhaber. Monika Helfer umkreist das Leben ihres Vaters und erzählt von ihrer eigenen Kindheit und Jugend. Von dem vielen Platz und der Bibliothek im Kriegsopfer-Erholungsheim in den Bergen, von der Armut und den beengten Lebensverhältnissen in der Südtiroler-Siedlung mit den vielen Kindern in einer Küche. Von dem, was sie weiß über ihren Vater, der so schweigsam war wie viele Männer dieser Zeit.

Kommentar der Jury

Kein Wort zuviel findet sich in Monika Helfers Roman "Vati", eine Annäherung an das Leben des Vaters der Autorin. Eine Recherche über die Möglichkeit, Leben zu erzählen und Herkunft zu begreifen – die auch die Initiation einer Autorin beschreibt. Als der Vater versehrt aus dem Krieg zurückkehrt, lernt er die Mutter kennen und wird Leiter eines Versehrtenheims in den Bergen. Dort sammelt er Bücher, lebt mit und für sie. Aber bereits hier zeigt sich, was sich nach dem Tod der geliebten Frau ausprägt: eine große Abwesenheit, ein umfassendes Schweigen, das auch das Leben der Kinder prägt. Ein Buch von zärtlicher Traurigkeit – in dem Gefühl und sprachliche Klarheit vollständig ausgewogen sind.

€  20,00

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Kracht, Christian

Eurotrash

Roman

Am Beginn steht eine Erinnerung: vor 25 Jahren irrte in „Faserland“ ein namenloser Ich-Erzähler (war es Christian Kracht?) durch ein von allen Geistern verlassenes Deutschland, von Sylt bis über die Schweizer Grenze nach Zürich. In „Eurotrash“ geht derselbe Erzähler erneut auf eine Reise – diesmal nicht nur ins Innere seines Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt.

Kommentar der Jury

Hielt man sich in „Faserland" die Welt mit ölimprägnierten Jacken vom Leib, wird hier der Wollpullover zum fadenscheinigen Dingsymbol. Denn von Verstrickungen bis zurück ins dunkelste Kapitel deutscher Geschichte handelt Christian Krachts herausragender Roman. „Eurotrash" ist ein raffiniertes, ein tragikomisches und mitunter überraschend zart erzähltes Stück autofiktionaler Erinnerung, das die psychologischen Feinheiten einer Mutter-Sohn-Beziehung ergründet und dabei familiäre Schattenwelten aufsucht, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragen. Dem Autor gelingt das seltene Kunststück, eine komplexe literarische Poetik in stilistischer Virtuosität zum Leuchten zu bringen.

€  22,00

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Sanyal, Mithu M.

Identitti

Roman

Es sind die 2020er Jahre, es ist kompliziert. Und es gibt einen Skandal: Prof. Dr. Saraswati ist WEISS! Schlimmer geht es nicht. Denn Niveditas Professorin für Postcolonial Studies war eben noch die Übergöttin aller Debatten über Identität – und beschrieb sich als Person of Colour. Während das Netz Saraswati hetzt, stellt Nivedita ihr Fragen: Sind wir einfach wir selbst, oder vor allem Frauen oder Männer, Schwarze oder Weiße? Kann man Weißsein loswerden? What’s Sex got to do with it?

Kommentar der Jury

Identitti ist eine Quadratur des Kreises: ein enorm vergnüglicher, hochenergetischer Diskursroman, bei dessen Lektüre viel zu lernen ist und der dabei grandios unterhält. Mit leichter Hand erzählt Sanyal von Bloggerin Nivedita, Studentin an der Düsseldorfer Uni, die ein Skandal durchschüttelt: Starprofessorin Saraswatis indische Herkunft ist fake! Ohne jeden Hang zum Denunzieren zeigt der Roman die verschiedenen, unversöhnlich scheinenden Positionen – in Dialogen, Blogeinträgen, fiktiven Tweets realer Zeitgenoss*innen – und so gelingt es ihm, gerade in den verfahrensten Debatten wieder unbändige Freude am Austausch und der Beweglichkeit im Kopf zu entfachen.

€  22,00

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Strubel, Antje Rávik

Blaue Frau

Roman

Adina wuchs im tschechischen Riesengebirge auf und sehnte sich schon als Kind in die Ferne. In Berlin lernt sie eine Fotografin kennen, die ihr ein Praktikum in einem Kulturhaus in der Uckermark vermittelt. Von einem sexuellen Übergriff, den keiner ernst nimmt, unsichtbar gemacht, strandet Adina nach einer Irrfahrt in Helsinki. Im Hotel begegnet sie einem estnischen Professor, Abgeordneter der EU, der sich in sie verliebt. Während er sich für die Menschenrechte stark macht, sucht Adina einen Ausweg aus dem inneren Exil.

Kommentar der Jury

Antje Rávik Strubel erzählt aufwühlend in einem großen Spannungsbogen von den Gewalterfahrungen einer jungen Frau im heutigen Europa. Adina kommt aus einem Dorf in Tschechien, ihr Weg führt sie über Berlin in die Uckermark. Nach der Vergewaltigung durch einen einflussreichen Multiplikator der europäischen Kulturpolitik flieht sie nach Helsinki und ins innere Exil. Ein Ost-West Roman, ein Europaroman, eine Geschichte über Machtmissbrauch, meisterhaft in der Verflechtung der Handlungsstränge und in der atmosphärischen Darstellung finnischer Landschaft. Eine Figur mit mythischen Zügen – die blaue Frau – verbindet das Erzählte mit der Ebene der Erzählerin und macht so den Roman auch zum Roman über das Schreiben selbst.

€  24,00

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